Rezensionen

Die Konzerte des Dresdner Jugendsinfonieorchesters und des Dresdner Nachwuchsorchesters finden regelmäßig Anklang in der Presse. Einige dieser Kritiken sollen hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit wiedergegeben werden. Detaillierte Konzertprogramme für ausgewählte Jahre finden Sie im Konzertarchiv, einige Stücke können Sie auch auf CD erwerben. Die Rubrik Fotos & Erlebnisberichte vermittelt einen eher bildhaften Eindruck.

Adventskonzert vom 1. Dezember 2011 in der Lukaskirche

Jindrich-Staidel-Combo und das Jugendsinfonieorchester

…haben Sie bitte Spaß…

Auch das noch: Crossover im Advent! Und von ganz selten seltsamer Art: das Dresdner Jugendsinfonieorchester (beheimatet am Heinrich-Schütz-Konservatorium) warf sich mit der urkomischen Jindrich-Staidel-Combo (Jindrich Staidel – Tuba, Posaune; Pro Haska – Saxophon, Gesang, Moderation; Manitschka Krausonova – Klavier, Akkordeon; Tatra Skota – Schlagzeug) zusammen und präsentierte am Donnerstag in der Lukaskirche „As Time To Say Ahoi” samt Ausschnitten aus dem Adventsprogramm „Advent- zeit rennt” der Jindrich-Staidel-Combo samt dem (das Ganze betreffenden) unmissverständlichen Untertitel „Böhmische Weihnachten ganz nah…”. Die Leitung hatte Dirigent Milko Kersten (später von Moderator Pro Haska zumeist „Herr Netsrek” genannt). Das waren jetzt zu viele Anführungsstriche? Eher zu wenige.

Zunächst begann alles mit einer „Katastrophe”, denn die Jindrich-Staidel-Combo fehlte und ließ telefonisch durch Herr Dirigenten Netsrek mitteilen, die steckten in Ústí nad Labem fest und „versuchen kommen”. So versuchte es das Orchester erst einmal allein mit Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell”. Ein diffiziles Stück mit Soli für Cello, Englischhorn, Flöte und auch sonst anspruchsvoll. Das spielten die jungen Musikschüler mit energischem Interesse am Detail so locker, wie es sein soll, und schließlich mit großem Orchesterklang. In den Schluss platzte mit den Instrumenten unter den Armen die doch eingetroffene Jindrich-Staidel-Combo, gewandet (mit Ausnahme von Frau Krausonova) in charmant farbenfrohe Trainingsanzüge. Der von Herrn Staidel getragene soll sogar von Olympiasieger Emil Zátopek ererbt sein.

Einen „Programmzettel” für das Crossover aus Polka- und Sinfonieorchester „schrieben” Herr Pro Haska und Herr Netsrek gleich an Ort und Stelle auf zwei Schreibmaschinen zu Andersons „The Typewriter”. Auf diesem frisch getippten Programm fanden sich allerhand bekannte Schlager, Musicalmelodien und natürlich „Klassik”, die allesamt denkbar gründlich durch den Wolf gedreht wurden: „Don't cry for me, Ceská Lípá”, „Brno, Brno” (einst: „New York, New York”) oder die Polka eines gewissen „Dmitri Moskwitsch” hatten Herr Staidel und Herr Netsrek für Combo und Orchester arrangiert. Alles war im kuriosen Miteinander mit echtem Drive gespielt und dazu in verzweifelter Nonchalance be- und gesungen. Darum spannen sich allweil im schönsten „böhmischen” Akzent des Herrn Pro Haska die wildesten Absurditäten: „…haben Sie bitte Spaß…” leitete endlich auch die wohl ausgefallenste Variante von Beethovens „Ode an die Freude” als Finale ein. Wer irgendwo in diesem Mix „Zimt und Plätzchen ab Takt 8” gefunden hätte, wäre kaum verwundert gewesen. Eine Zugabe sehr frei nach den alten Schweden namens ABBA gab es noch. Was für ein irrwitziges Konzert, das mit voller Breitseite parodierte, womit der Kulturbetrieb so aufwartet: das beliebte „Crossover”, die Gier des Städters nach Folklore, die Inflation der Weihnachtskonzerte und -märkte, in denen alles vorkommt außer Weihnachten. „As Time To Say Ahoi”: Absurd gut gemacht und zum Tränen lachen.

Hartmut Schütz
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 3. Dezember 2011)

Benefizkonzert vom 12. Juni 2011 in der Kreuzkirche

Jugendsinfonieorchester im Benefizkonzert

Zum wiederholten Male war das Dresdner Jugendsinfonieorchester am Heinrich-Schütz-Konservatorium zu Gast bei den Benefizkonzerten zugunsten der Innensanierung der Kreuzkirche. Am für den ehemaligen Kruzianer Milko Kersten heimischen Ort war es dennoch eine Herausforderung, den Jugendlichen zu einem satten Orchesterklang zu verhelfen, der die Schwierigkeiten des Raumes überbrückt. Doch die zahlreichen Instrumentalisten (diesmal mit auffällig vielen Celli, während nur zwei Kontrabässe um ihr Leben spielten) bemühten sich konzentriert, das anspruchsvolle Programm gut zu interpretieren. Alle Stücke hatten solistische Beteiligung – damit verabschiedeten sich aus dem Orchester junge Talente wie der Schlagzeuger Eike Nürnberger. Andere wie die Klarinettistin Franziska Scheffler, die bereits in Lübeck studiert, kehrten gerne zu ihrem Ensemble als Solisten zurück, und auch im Orchester saßen Ehemalige.

Kersten verlieh dem Konzert programmatisch einen russischen Touch: Reinhold Glières Hornkonzert machte den Anfang. Aaron Hornschild, seit zwölf Jahren in der Hornklasse von Andreas Roth, überzeugte mit mächtigem Ton und einiger Virtuosität. Dem Orchester war der farbige spätromantische Satz etwas ungewohnt, Kersten zeigte die Phrasierungen deutlich, aber recht freispielen mochte sich das Orchester noch nicht.

Ebenso musikalisches Neuland dürfte auch für manchen Zuhörer das Konzert für Klarinette, Viola und Orchester von Max Bruch gewesen sein. Christina Voigt und Franziska Scheffler interpretierten das lichte, lyrische Werk kundig und mit vollem Ton, das Orchester musizierte hier dicht und aufmerksam. Schlagzeuger Eike Nürnberger hielt dann mit dem „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow das Bonbon des Nachmittags parat und beeindruckte in der Marimbaphonfassung nicht mit Geschwindigkeit, sondern mit sauberem Spiel.

Den Abschluss des Konzertes bildeten Alexander Borodins „Polowetzer Tänze“ aus der Oper „Fürst Igor“ in einer melodramatischen Fassung, die Milko Kersten auf Basis des von Rainer Maria Rilke ins Deutsche übertragenen „Igor-Liedes“ selbst erstellt hatte. Trotz schöner Deklamation der beiden Hochschul-Gesangsstudenten Elisabeth Auerbach und Daniel Müller (Sprecher) blieb der Eindruck des blutrünstig-wortschwangeren Heldenepos zwiespältig. Obwohl Kersten durch die Hinzufügung des Textes den historischen Urgrund der Oper beleuchtete, wurde die musikalische Faktur der Tänze zerschnitten, und zumindest darf man Zweifel hegen, ob die Schlachtopfer am Ufer des Don wirklich die jugendlichen Musiker und Zuhörer interessieren. Schön allerdings, dass das Heinrich-Schütz-Konservatorium nun mit geballter Fördervereinskraft ein neues Röhrenglockenspiel anschaffen konnte, das mit diesem Stück und einer kernigen Zugabe von Fried Walter eingeweiht wurde.

Alexander Keuk
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 15. Juni 2011)

Barockkonzert vom 11. März 2011 in der Dreikönigskirche

Jugendlicher Barock in der Dreikönigskirche

Mit Lust, Laune und Geschick

Francesco schaut gequält, fast angewidert. Das soll Musik sein? Viel zu galant, viel zu weich. Marie-Claire dagegen gerät ins Schwärmen. Lully – das ist, was die Französin mag. Dem jungen Italiener wird erst wohler, als das Orchester heimatliche Klänge intoniert. Die freilich werden nun gestört durch des Mädchens entsetzte Zwischenrufe. Italien gegen Frankreich – der Streit ist entflammt. Natürlich geht ihm bald die Puste aus. Das Gekabbel zwischen den jungen Leuten – es war nur ein Blick zurück auf jene Zeit im 17./18. Jahrhundert, in der gemächliche Kommunikationswege die Herausbildung musikalischer Nationalstile begünstigten und barocke Klänge in Frankreich so gänzlich anders klangen als in Italien. Im Austausch über Fakten und Hintergründe lernen Marie-Claire und Francesco ein bisschen die jeweils anderen Töne schätzen. Und als die Musik verklingt, sind sie längst zusammen irgendwo im Hier und Jetzt verschwunden…

Diese kleine Geschichte, gespielt von den Erlwein-Gymnasiasten Elisa Fritzsche und Clemens Kersten, bildete die erzählerische Klammer für das jüngste der von der Dresdner Hofmusik veranstalteten „Konzerte in der Schlosskapelle“. Erneut in der Dreikönigskirche „untergekommen“ und in Kooperation mit dem Heinrich-Schütz-Konservatorium sowie den Dresdner Schulkonzerten aufgelegt, wandte sich das nun gleich zwei Mal aufgeführte Programm vor allem auch an junges Publikum. Und wurde von jungen Leuten gespielt: Eleven des am Konservatorium beheimateten Dresdner Jugendsinfonieorchesters haben sich unter Leitung von Milko Kersten und mit Unterstützung von Musikern ihres Patenorchesters Dresdner Philharmonie mit Barockmusik beschäftigt. Der beschriebene Zwist war dankbarer wie spannungsvoller Aufhänger.

Von Milko Kersten stammte die Idee zum kurzweiligen Konzept, eigene Worte waren vom dem in Sachen Jugend-Arbeit so kreativen und eloquenten Musiker diesmal nicht zu hören. Nicht, dass man ihm nicht immer wieder gern lauschte – aber der Schachzug, die Erläuterungen Jugendlichen in den Mund zu legen, ist auch nicht ungeschickt. Manch jungem Hörer mag dies sympathischer sein und damit in solchen Konstellationen neues Zukunftspotenzial liegen. Vorausgesetzt, das Spiel wird so locker, selbstbewusst und gut vorbereitet geboten wie von den beiden Protagonisten hier. Und der Inhalt bietet, wie gehört, keine Überfrachtung mit Informationen, sondern pointierte Streiflichter, die zur Weiterbeschäftigung anregen. Kleine Stolperfallen, wie die, dass das Gesprochene bei gleichzeitiger Musik akustisch schwer zu verstehen war, lassen sich ja umgehen.

Nicht vergessen seien natürlich die gleichermaßen engagierten jungen Musiker. Dass nicht jede Unisono-Passage intonatorisch astrein gelingt, liegt in der Natur der Sache; was zählt, ist die Beschäftigung mit ihren Finessen, das mit Lust und Laune gelebte Musizieren. Milko Kersten hielt am Cembalo die Fäden zusammen, beginnend mit Jean Baptiste Lullys bekannter Ouvertüre zu „Der Bürger als Edelmann“. Gänzlich unbekannt, weil frisch ausgegraben und wiedererstaufgeführt, war die mit überraschenden Wendungen aufwartende Sinfonia in D von Geminiano Giacomelli aus dem „Schranck No. II“-Bestand der SLUB Dresden. Für die Suite „La Poule“ von Jean-Philippe Rameau taten sich drei PhilharmonikerInnen mit drei Streichern der Jugendfraktion zusammen, bevor Vivaldis Concerto für Sopranino und Orchester a-Moll RV 445 den Schlusspunkt setzte. Solist war Franz Bergann, Schüler des Konservatoriums und Bundespreisträger bei „Jugend musiziert“ 2010. Wie der mutmaßlich 16-Jährige die schwindelerregenden Tongirlanden der Ecksätze auf seinem winzigen Instrument erzeugte, machte Staunen, beeindruckend aber auch die beseelte Darbietung des Largo, von seinen Orchesterkollegen achtsam begleitet. Ein brillantes Finale für ein knapp einstündiges, äußerst erquickliches Konzert, das im Rahmen dieser Kooperation nicht das einzige gewesen sein soll.

Sybille Graf
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 14. März 2011)

Familienkonzert vom 25. Juni 2010 in der Kreuzkirche

Orchesterrausch kontra Vuvuzela

Konzert von Konservatorium und Philharmonie

Innerhalb einer Woche zwei Konzerte für das Nachwuchspublikum – die Dresdner Philharmonie klotzt noch einmal zum Spielzeitende. Nachdem Ohrwurm Otto die jüngeren Kinder ins Reich der klassischen Musik lockte, waren am Freitag die etwas älteren und Jugendlichen samt Anhang in die Kreuzkirche geladen. Was sich Familienkonzert nennt, ist zugleich eine große Stunde für den selbst praktizierenden Nachwuchs – handelt es sich doch um ein jährliches Kontinuum im Rahmen der Orchesterpatenschaft zwischen der Philharmonie und dem Jugendsinfonieorchester am Heinrich-Schütz-Konservatorium. Im Wesentlichen also bevölkerte letzteres die Bühne, sensibel unterstützt von einigen Philharmonikern in den Reihen.

Milko Kersten, Leiter des Jugendensembles, hatte ein dankbares, vielgestaltiges Thema ausgerufen: „Das Original und seine Bearbeitung“. Und dabei die Gegebenheiten des Raumes einbezogen: „Wenn Kirche, dann auch Orgel!“ Also hub der Abend mit rauschenden Klängen an: Bachs wohl berühmtester Orgelkomposition, Toccata und Fuge d-Moll, gespielt von Martin Strohhäcker. Und nicht minder vollmundig sekundiert von der Orchesterbearbeitung Leopold Stokowskis.

Anschaulich stellt Kersten beide Versionen gegenüber, ließ den selben Abschnitt erst von der Orgel, dann vom Orchester spielen, erläuterte Fachtermini, Gattungseigenheiten etc. Und anhand der folgenden Werke die vielen, vielen Möglichkeiten, die sich bei Werkbearbeitungen auftun. Da war das zarte Lautensolo – eine „Bergamasca“ des italienischen Renaissancemeisters Bernardo Gianoncelli, gespielt von Tabea Brode –, das von Ottorino Respighi in der 2. Suite seiner „Antiche Danze ed Arie per liuto“ zu einem groß besetzten Orchesterstück umgemünzt und wegen der Eigenheiten der Instrumente auch in eine andere Tonart versetzt wurde; da war eines der berühmtesten, weil oft gewählten Stücke für orchestrale Bearbeitung – Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ (am Klavier Sebastian Ludwig vom Konservatorium).

Am Ende bot Kersten, der alle Orchesterversionen für seine aktuelle Besetzung arrangiert hatte, den draußen tatsächlich trötenden Vuvuzelas Paroli, indem er der Orgel bei Leon Boellmanns ohnehin gewaltiger Toccata aus der „Suite Gotique“ das Orchester direkt an die Seite stellt.

So fügte sich ein Konzert zusammen, das mehrere Fliegen mit einer Klappe schlug. Dem Publikum offerierte es einen spannenden, klug aufbereiteten Blick in ein Genre der klassischen Musik. Dass die Informations- und Klangflut nicht eben gering war – am Ende standen 90 Minuten zu Buche –, schien für die meisten kein Problem: Es herrschte bis zum Schluss konzentrierte Stille. Auch die jungen Musiker werden ihre Theorie-Lektion bei diesem Projekt gelernt haben, vor allem aber war es für sie eine der so wichtigen Gelegenheiten, dem Spaß am gemeinsamen Musizieren zu frönen und ihr Können in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Selbiges kann sich wirklich hören lassen – das Jugendsinfonieorchester spielte hoch engagiert, spannungsvoll, den Anforderungen der Stücke stets gewachsen.

Wo es ausnahmsweise doch einmal holperte, hatte wohl eher die Aufregung ihre Aktie daran. Vor allem die gute Durchhörbarkeit von Klang und Struktur der Stücke sei hervorgehoben, war sie doch gerade für den Kirchenraum wichtig. Da hat Milko Kersten einmal mehr wunderbare Arbeit geleistet wie überhaupt sein umfangreiches Engagement für junge Musiker und junges Publikum nicht oft genug zu würdigen ist.

Vielleicht findet die Philharmonie noch Kapazitäten, auch für das Familienkonzert ein Programmheft aufzulegen. Da man erklärtermaßen auf die Nachhaltigkeit des Gehörten setzt, wäre es sicher nicht verkehrt, den Hörern eine konzentrierte Sammlung an Hintergrundinformationen zu den Werken in die Hand zu geben. Zeitnah ist die Lust auf tiefere Nachforschungen bekanntlich am größten. Erst Recht, wenn einem auf dem Heimweg Boellmanns markantes Toccaten-Thema im Ohr klingt…

Sybille Graf
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 28. Juni 2010)

Familienkonzert vom 10. Mai 2009 im Alten Schlachthof

Einer von vielen möglichen Wegen zum Musikverständnis

Sonntägliches Familienkonzert von Philharmonie und Konservatorium

Es begann am Sonntag mit einem kurzen Triumphmarsch und viele Kinderstimmen riefen, was das wohl gewesen sein könnte: »Peter und der Wolf« von Sergej Prokofjew. Was dann kurz angespielt wurde, konnte noch niemand kennen, denn die Komposition sollte am Ende des Konzerts erstmalig gespielt werden. Das Dresdner Jugendsinfonieorchester am Heinrich-Schütz-Konservatorium hatte gemeinsam mit Mitgliedern der Philharmonie zum 6. Familienkonzert in den Alten Schlachthof geladen und führte dieses Projekt wieder unter Leitung von Milko Kersten aus, eine Trias, die sich schon in der Vergangenheit bestens bewährt hat. Auch diesmal war der Publikumszuspruch wieder beachtlich und keineswegs, wie in den Ankündigungen ausgewiesen, auf Kinder ab acht Jahren beschränkt. Viele waren deutlich jünger, hielten sich aber mit möglicherweise störenden Lautäußerungen weitgehend zurück. Es war ohnehin erstaunlich, wir ruhig und konzentriert die jungen Zuhörer dem Geschehen folgten.

Das nun bestand nicht allein aus musikalischen Darbietungen. Man kann Kindern sinfonische Musik nicht ohne Hilfe zu deren Verstehen vorsetzen. Und Kersten hat schon einige Male bewiesen, dass er für diese Mischung aus verbaler und musikalischer Vermittlung genau der richtige Mann ist. Manchmal macht er es so elegant und geschickt, dass man an die Arbeit Herbert Blomstedts in den von ihm geleiteten Schülerkonzerten erinnert wird. Kersten erweckt nie der Eindruck, dass sich ein Erwachsener herablässt, einem zurückgebliebenen Auditorium gnadenvoll Einblicke in Geheimnisse zu erlauben, die nur er richtig kennt. Er nimmt seine kindlichen Zuhörer ernst, und ernst nehmen auch die Philharmoniker ihre jungen Mitspieler des Jugendsinfonieorchesters, aber nicht etwa deshalb, weil diese jenen zahlenmäßig weit überlegen sind.

Auf dem Programm standen die Nachtigallenszene aus Händels Oratorium »L'Allegro, il Pensieroso ed il Moderato« in Versionen mit einer und zwei Soloviolinen, Mendelssohns Ouvertüre »Die schöne Melusine« op. 32, ein nahezu unbekanntes Werk, mit dessen Aufführung auch für die erwachsenen Besucher Neues zu erleben war, und der Höllentanz des Kaschtschej aus Strawinskys Ballett »Der Feuervogel«. Immer gab es Informationen zum Inhalt oder zur jeweiligen Szene und alles wurde durch as Anspielen von Themen und charakteristischen Passagen ergänzt. Bei den Interpretationen verschmolzen die Musiker beider Orchester klanglich und stilistisch so gut, dass von echter Homogenität gesprochen werden kann. Zu diesen Märchenmusiken kamen noch Wolf-Dieter Gööck in einer kurzen Erzählerrolle und am Ende eine »Orchestrale Groove-Sektion« von Robin Hoffmann, die in ihrer rhythmischen Stringenz ebenso gut gelungen war wie das ganze Konzert.

Veranstaltungen wie dieses Familienkonzert sind nur ein Beispiel für neue Wege, die zur Musik hinführen sollen. Wir brauchen viele Varianten dieser Art und dürfen unserer Fantasie dabei keine Grenzen auferlegen. Und wir müssen uns beeilen, denn das Fehlen jugendlicher Zuhörer in sinfonischen Konzerten nimmt inzwischen bedrohliche Züge an.

Peter Zacher
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 11. Mai 2009)

Familienkonzert vom 11. Juli 2008 im Alten Schlachthof

Und … eins – zwei – drei!

Das Dresdner Jugendsinfonieorchester im Dreivierteltakt

Die Schule ist aus, die Zeugnisse sind verteilt: Wer dennoch einer letzten musikalischen Lektion nicht abgeneigt war, dem spielten das Dresdner Jugendsinfonieorchester und seine Paten von der Dresdner Philharmonie ein Familienkonzert zum Ferienbeginn mit besonderem Thema – als Belohnung für gute und zur Ablenkung von weniger guten Zensuren gewissermaßen. Die Musiker durften sich ihrerseits über einen gut besuchten Alten Schlachthof freuen.

Dirigent und Moderator Milko Kersten nahm das Publikum mit auf die Reise durch die Geschichte des Dreivierteltaktes »Vom Menuett zum Walzer«, blickte aber vorab etwas tiefer in die Historie und zurück zum Namenspatron des Heinrich-Schütz-Konservatoriums, denn im Dreier-takt getanzt wurde schon im Frühbarock. Kersten verdeutlichte mit seiner Instrumentierung des Schütz-Stückes die ehedem beliebten Taktwechsel, acht Tänzerinnen vom Konservatorium bebilderten die Musik, ohne in historischen Truhen zu kramen – weder bei Kostümen noch in den Bewegungen. Diese Verbindung von Musik und Tanz durchzog das Programm, die Choreografien stammten von Brit Krüger, Nora Schott und Petra Steinert. Im Hochbarock angekommen, erklärte Kersten, dass wohl das Übergewicht des französischen Königs für die Mode verantwortlich war, beim Menuett eine Zeit lang ein etwas gemächlicheres Tempo zu wählen. Bachs Orchestersuite C-Dur diente als Beispiel und als Gegenpol der Menuett-Satz aus Mozarts Es-Dur-Sinfonie für die Wandlungen in der Wiener Klassik. Lustig stampften die Füße einer Schar kleiner Köche dazu den Takt auf dem Tanzpodium.

Bis hierher mochte man das Spiel des Orchesters für selbstverständlich genommen haben, doch der Scherzo-Satz aus Beethovens »Eroica« und Schuberts Menuett aus seiner 4. Sinfonie ließen immer mehr aufhorchen: Zwar gaben die Philharmonie-Paten dem Ganzen fraglos Rückgrat, aber die Leistung der Musikschüler war erstaunlich. Präzise die Reaktion auf den Dirigenten und genau das Zusammenspiel, besonders die Horngruppe klang in ihrer heiklen Solostelle bei Beethoven sehr beachtlich und gut ausgestimmt. Zu tanzen gab es schließlich wieder etwas zu Johann Strauß` Kaiserwalzer. Wiener Kaffeehausflair verbreiteten die älteren Mädchen der Gruppe: Kellner wirbelten über die Bühne, selbst die Tische tanzten mit. Das Tanzen veränderte sich weg vom höfischen hin zum bürgerlichen Vergnügen, erläuterte Milko Kersten. Einer der schönsten sinfonischen Walzer markierte den Höhepunkt dieser Ära: Auch Tschaikowskys »Blumenwalzer« hatte ein bemerkenswertes Solo von der Harfenistin des Orchesters Anne Brückner. Bemerkenswert überhaupt war, wie souverän Kersten mit seinem Jugendsinfonieorchester durch die Stile und Spielarten wandeln und große Orchesterliteratur darbieten kann.

Schließlich war man mit Wilhelm Killmayers zerfleddertem Walzer »Zittern und Wagen« im 20. Jahrhundert angelangt: Die Tänzerinnen fanden sich zum »Stehempfang« ein, die Kellner rückten die Tische zurecht, die kleinen Köche strömten mit Schüsseln und Tellern herein. Ein stimmiges, dicht getanztes Fest als Finale zum skurrilen Musikstück. Doch so leicht ließ man die Musiker nicht gehen und die hatten mit »The Waltzing Cat« selbstredend noch eine Zugabe in petto, in der die Zuhörer den Geigen kräftig beim Miauen helfen durften.

Hartmut Schütz
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 14. Juli 2008)

Konzert vom 15. Dezember 2006 in der Dreikönigskirche

Außergewöhnliches, außergewöhnlich gut gelungen

Jugendsinfonieorchester des HSK mit überzeugender Programmdramaturgie

Das Konzert des Dresdner Jugendsinfonieorchesters, das am Freitag in der Dreikönigskirche stattfand, war in mehr als nur einer Hinsicht beachtlich. Erneut war es Milko Kersten gelungen, die Schüler des Heinrich-Schütz-Konservatoriums trotz des großen Altersunterschieds und unterschiedlichen Ausbildungsstands zu einer homogenen Leistung zu bringen. Das bedeutet, dass Fehler, die man bei einem Orchester wie diesem durchaus als unvermeidlich zu akzeptieren bereit ist, nicht von systematischer Natur waren, sondern eher zufälligen Charakter hatten. Dadurch gab es keine permanente Schwachstelle in irgendeiner Stimmgruppe. Das jedoch ist ebenso wenig neu wie die Tatsache, dass die Musiker mit außerordentlichem Engagement bei der Sache sind.

Noch klarer war das Engagement, das sich in der Programmzusammenstellung äußerte. Die Werke stammen hauptsächlich von vergessenen Dresdner Komponisten oder solchen, die ihrer jüdischen Herkunft wegen Nazi-Deutschland verlassen mussten. Eine Ausnahme war die Uraufführung der 1. Sinfonie C-Dur op. 39 von Michael Lundt, die aber durch ihre Dedikation ("den von den Nazis ermordeten Musikern aller Länder") dem vorgegebenen Kontext völlig entsprach. Vor der Komposition steht ein etwas monströser Text von Wolfdietrich Schnurre, der von Julia Hansen mit innerer Beteiligung und wohltuender äußerer zurückhaltung rezitiert wurde. Die Komposition ist von ausgeprägter Polyphonie und kommt deshalb in einem so halligen Raum wie der DKK nicht zur vollen Wirkung, so dass auch ein einigermaßen sicheres Urteil über die Qualität nicht angeraten ist. Selbst der Eindruck unförderlicher Längen kann hier nur mit großer Vorsicht artikuliert werden. Klar hingegen waren Kerstens Orchestrierungen dreier Klavierlieder von Paul Aron, der in den 1920er Jahren als Initiator neuer Musik für Dresden große Bedeutung hatte. Die Orchesterfassungen machen die unerwarteten harmonischen Wendungen noch überraschender, geben den Liedern mit Texten von W. Butler Yeats größere Tiefe und intensivieren den Eindruck, den sie bei den Hörern hervorrufen. Ulrike Fulde sang den Solopart mit kraftvoller Stimme und frei strömender Höhe.

Gerhart Münch, 1907 in Dresden geboren, hat seine letzten drei Lebensjahrzehnte in Mexiko verbracht. Das Vorspiel zu „Tod ohne Ende“ entstand 1959. Es bezieht seine Wirkung aus bohrendem Rhythmus, der von gemessener Ruhe und einem offenen Schluss abgelöst wird. Sichere Beherrschung des Handwerks zeichnet das Concertstück für vier Hörner und Orchester F-Dur von dem Dresdner Carl Heinrich Hübler aus, der 1851 Solohornist der Hofkapelle wurde. Die Komposition erinnert in vielen Passagen an Weber und weckt durch ihre Qualität und den musikantischen und gelösten Gestus den Wunsch, mehr von Hübler zu hören. Gespielt wurde das Werk mit fünf Hörnern (zwei alternierend), wobei die Solisten Friedrich Müller, Ludwig Salzmann, Benedikt Unger, Aron Hornschild und Joana Wohlers einen prächtigen Eindruck hinterließen.

Es war ein Konzert mit ungewöhnlicher Dramaturgie, die sich bis ins Detail bestätigt hat. Dazu kam die Freude darüber, dass die Kirche trotzdem voll besetzt war und das Publikum das Außergewöhnliche honoriert hat.

Peter Zacher

Familienkonzert vom 29. Januar 2006 im Alten Schlachthof

Musikalische Liebeserklärung an die Heimatstadt

Familienkonzert von Dresdner Philharmonie und Schütz-Konservatorium besiegelt Partnerschaft

Rossinis Katzenduett stand gar nicht auf dem Programm, und zu hören war alles andere als Katzenmusik. Gleichwohl hatte ein musikinteressiertes Exemplar dieser Gattung sehr zum Gaudi des Publikums plötzlich auf dem Dirigentenpodium Platz genommen. Das Tier schien ungeduldig geworden ob der allzu langen Reden zu Beginn, die mit ihrem Erscheinen bald verstummten.

Damit soll die Bedeutung der Patenschaft zwischen Philharmonie und Heinrich-Schütz-Konservatorium, die gestern coram publico im Alten Schlachthof besiegelt wurde, keinesfalls herabgewürdigt werden. Im Gegenteil. Not macht bekanntlich erfinderisch und schweißt zusammen. Seht ihr, hört man dann sture Finanzpolitiker hinter vorgehaltener Hand sagen, wir stimulieren nur die Kreativität. Es hätte aber der Krise des Konversatoriums 2002 gewiss nicht bedurft, um eine Zusammenarbeit mit der Philharmonie anzuregen. Aus der Solidarität einer Unterschriftenaktion heraus ist sie damals gewissermaßen als Nebenprodukt entstanden, wobei vor allem der Cellist und Komponist Rainer Promnitz als Brückenbauer fungierte. Im Januar 2003 kam es zum ersten gemeinsamen Konzert. Nun schwebt über der Patenschaft auch noch der Segen der Deutschen Orchestervereinigung der Weltjugendmusikvereinigung Jeunesses Musicales, die in 14 Städten solche Kooperationen angeregt hat.

Das alles stand am Beginn eines Familienkonzertes im vollbesetzten Alten Schlachthof, das ein Produkt eben dieser Zusammenarbeit vorstellen wollte. „Freakquency“, das Programm der Dresdner Philharmonie, mit dem sie jugendliche Hörer gewinnen will, hatte in den Herbstferien des vergangenen Jahres zu einem Workshop eingeladen. Zwei Dutzend Schüler alles Altersstufen entwarfen ihre musikalischen Assoziationen zur Geschichte ihrer Heimatstadt, ein im Jubiläumsjahr schier unvermeidliches Thema. Rainer Promnitz fügte und arrangierte dies zu einem 16-teiligen Patchwork von etwas 20 Minuten Dauer. Aufschlussreich ist, wie diese von manchem Wortgemetzel noch unbeeindruckten jungen Einwohner ihre Stadt intuitiv wahrnehmen. Die Harmonie einer sensibel bebauten Flusslandschaft dominiert, Weltkulturerbe mithin. Dazwischen ereignet sich Bedrohliches, der Dreißigjährige Krieg oder das Inferno des 13. Februar 1945. Die Zukunft kommt weniger lieblich als wuchtig daher. Umgesetzt ist das, man ahnt es, als Programmmusik pur, unterstützt noch durch passende Fotos per Beamer. Die musikalische Sprache erinnert entgegen der Ankündigung weniger an das soeben begonnene als an das vergangene 20. Jahrhundert. Ein gelungenes und zu Recht mit langem Beifall bedachtes Experiment.

Als Hommage an die 800-jährige Heimatstadt war auch der erste Teil des Konzertes angelegt. Die Wortlastigkeit des Beginns setzte sich hier leider fort, so lehrreich und gewohnt charmant vorgetragen der Exkurs in Dresdner Musikgeschichte von Dirigent Milko Kersten auch sein mochte. Das mit Philharmonikern „durchsetzte“ Jugendsinfonieorchester blieb lange auf defensive Begleitaufgaben beschränkt. Konzertmeisterin Heike Janicke spielte ein Vivaldi-Solo, mit dem der wohl seinerzeit dem Geiger Pisendel eine Etüde in italienischer Verzierungstechnik auferlegen wollte. Musikalisch reif und mit einem angenehm weichen Blatt stellte sich Orchestermitglied Yuriy Nepomnyashchiy mit Webers f-moll-Klarinettenkonzert vor. Durch die Akustik des Schlachthofes nicht gerade begünstigt, beeindruckte der Philharmonische Jugendchor um so mehr mit Frische und sicherer Intonation.

Erst mit Wagners abschließender Holländer-Ouvertüre konnte das Orchester zeigen, was wirklich in ihm steckt. Nicht nur im profiverstärkten „Schutzblech“ sondern gerade bei den gefürchteten Läufen und Kaskaden der weniger dominanten Streicher. Keinesfalls zu schwer, wie Milko Kersten meinte. Dem wie stets souveränen Dirigenten blieb es am Schluss vorbehalten, leidenschaftlich auf den beklagenswerten Bauzustand des Konvervatoriumsgebäudes auf der Glacisstraße hinzuweisen.

Michael Bartsch
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 30. Januar 2006)

Familienkonzert vom 06. März 2005 im Kulturpalast

Klassik: Das Horn klingt, es brummt nicht nur

Wie abwechslungsreich und melodiös sich Hörner anhören können, haben am Sonntag das Dresdner Jugendsinfonieorchester und Mitglieder der Dresdner Philharmonie gezeigt. Bei ihrem Konzert im nicht ganz vollen Kulturpalast nahmen Hornquartett und Orchester das teilweise sehr junge Publikum mit auf eine musikalische Zeitzreise. Anderthalb Stunden lang spielten sie Sätze aus Konzerten von Georg Philipp Telemann über Amadeus Mozart bis hin zum zeitgenössischen Komponisten und Hornisten Kerry Turner. Zwischen den einzelnen Stücken erklärte Dirigent Milko Kersten anschaulich, wie sich das Horn vom bloßen Signalgeber zum facettenreichen Instrument entwickelt hat.

Fazit: Auch musikalische Laien kamen durch die gute Moderation auf ihre Kosten.

cg
(Sächsische Zeitung vom 07. März 2005)

Philharmonie und Konservatorium Hand in Hand

Begeisterndes Familienkonzert im Kulturpalast

Dass es gilt, nachrückende Jahrgänge für das Konzertleben zu interessieren, ist unbestritten. Führende Orchester gehen verschiedene Wege, junge Menschen für die sinfonische Musik zu interessieren. Auch der neue Philharmonie-Intendant Anselm Rose möchte „Kinder- und Jugendaktivitäten weiterentwickeln“ (DNN vom 28.2.). Wie so etwas funktionieren kann, bewies das gemeinsame Unternehmen von Dresdner Philharmonie und Dresdner Jugendsinfonieorchester das am Heinrich-Schütz-Konservatorium angesiedelt ist. Zu danken ist Philharmoniker Rainer Promnitz, der initiierte und mitorganisierte. Im imposant besetzten Orchester erblickte man eine Reihe von Mitgliedern der Philharmonie, an der Spitze den 1. Konzertmeister Wolfgang Hentrich, der allerdings das 1. Pult seiner jungen Kollegin überließ.

Zuvor hatten Schüler der Hornklasse Andreas Roth das Publikum im Foyer des Kulturpalastes klingend begrüßt. Das Konzert hatte den Titel klingende Hörner. Vom Barock bis zur Gegenwart reichten die musikalischen Beiträge, die allesamt in beachtlicher Qualität dargeboten wurden. Zu Beginn war das Vorspiel zum 3. Akt aus „Der Freischütz“ zu hören, wobei das Philharmonische Hornquartett durch Hornisten des Jugendorchesters zu einem imponierenden Oktett Ergänzung fand. Kammermusiker Jörg Brückner spielte in überzeugender Manier aus dem Konzert für Corno da caccia und Orchester von Telemann, obwohl er der Welle von Erkältungskrankheiten ausgesetzt war. Das war auch der Grund für die krankheitsbedingte Aushilfe von Kammermusiker Johannes Max. Und wer stand nicht im Banne der Interpretation des 3. Satzes aus dem Mozart-Konzert KV 447 durch den 16-jährigen Friedrich Müller?

Friedemann Hasse (geb. 1985) ist der Komponist des Stückes „Die Jagd auf Clairon, den Ohrwurm“, ein farbiges, stimmungsvolles Werk, bei dem zu einer exotisch anmutenden Passage das Publikum zum Klatschen eines nicht einmal unkomplizierten Rhythmus eingeladen war und der Aufforderung vergnügt nachkam. Das Hornquartett hatte schon mit der Romanze aus Robert Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester überzeugt. Finessen und souveräne Virtuosität in „Introduktion and Main Event“ des Hornisten Kerry Turner bildeten den begeistert aufgenommenen Abschluss eines zeitlich klug dimensionierten Konzertes, bei dem man auch an der Geschliffenheit des Orchesters helle Freude haben konnte. Hier leistete Dirigent Milko Kersten ausgezeichnete Arbeit.

Vor allem aber ist ihm zu danken, wie er instruktiv und jugendgemäß durch das Programm führte, dabei bis zur Entwicklung des Instrumentes aus dem Tierhorn über das Alphorn vorstieß, ohne sich in trockenen Belehrungen zu verlieren. Dem gewissenhaften Dirigenten Kersten stellte sich ein prächtiger Moderator Kersten an die Seite.

Die Zuhörer setzten sich vorwiegend aus Verwandten der Mitwirkenden zusammen. Dort darf man getrost ein gutes Verhältnis zu seriöser Musik voraussetzen. Wie steht es aber tun die anderen Kinder und Jugendlichen? Die „Tonnenideologie“ der DDR („Jeder Schüler muß jährlich ins Konzert“) hat sich nicht bewährt. Aber Interessen zu wecken, diese zu bestätigen, ist eine Aufgabe, die weit über diejenigen hinaus geht, deren Beziehung zur Musik schon besteht. Schritte sind zu suchen – Besuch solcher Konzerte ist moralische Pflicht für alle, die sich mit der Erziehung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen.

Hans Peter Altmann
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 7. März 2005)

Familienkonzert vom 16. Dezember 2003 im Kulturpalast

Von Berlioz zum Tango

Zyklus- und Familienkonzert mit der Philharmonie

[...]

Geschickte Programmauswahl

Bei dem von den DNN präsentierten Familienkonzert am nächsten Vormittag dominierten im Publikum tatsächlich Eltern mit ihren Kindern. Auf der Bühne saßen das Jugendsinfonieorchester, vielleicht mit ein paar künftigen Philharmonikern darunter, und 16 gegenwärtige Philharmoniker, im Saal Kinder und Jugendliche, aus denen sich hoffentlich künftige Abonnenten rekrutieren. Über 90 Minuten dauerte das Konzert, und das Publikum folgte voller Aufmerksamkeit – ein Zeichen für das Geschick hei der Programmauswahl und bei den treffenden, engagierten Einführungen durch den Dirigenten Milko Kersten.

Das Programm hieß „Tango, Bass und Passacaglia“, war also lateinamerikanisch orientiert, mit Ausnahme einer Komposition von Rainer Promnitz, deren Erläuterung wichtig, in diesem Falle jedoch etwas zu lang war. Da auch „Adagio Passacaglia“ 13 Minuten währte, ist oben genannte Aufmerksamkeit im Saal besonders hervorzuheben. Die Stücke aus Südamerika waren gefällig, hörerfreundlich und wurden exakt und mit Schwung musiziert. Wo sich rhythmische Bewegung besonders darstellte, hatten die Werke besonderen Anklang.

Das gilt auch für „Cancao e Danza für Kontrabass und Streicher“ von Radames Gnattali mit dem ausgezeichneten Tobias Glöckler als Solisten. Milko Kersten ließ hier wie auch anderswo wichtige Themen anklingen. In einige rhythmische Vorgänge bezog er das Publikum ein, das dann sehr amüsiert „mitwirkte“. Die Gemeinsamkeit von professionellen Musikern, an der Spitze Konzertmeisterin Heike Janicke, und Schülern hat jedenfalls beiden Teilen sichtlich Freude bereitet.

Hans Peter Altmann
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 17. Dezember 2003)

Konzert vom 22. Juni 2003 in der Lukaskirche

Märchen und Träume in Musik – Konzert des Jugendsinfonieorchesters

Man muss Milko Kersten vorbehaltlos zustimmen, wenn er nicht nur auf den künstlerischen, sondern auch auf den Gemeinschaft bildenden Wert eines Ensembles wie des Jugendsinfonieorchesters beim Heinrich-Schütz-Konservatorium verweist. Wer dort Instrumentalunterricht erhält, hat gleichzeitig die Chance, in Ensembles mitzuwirken. Die dortige Sozialisation darf nicht unterschätzt werden. Aber leider hat Kersten auch Recht, wenn er beklagt, dass sich die Politik dieser Einsicht weit gehend verweigert.

Das Gemeinschaftserlebnis war beim Konzert in der Lukaskirche unverkennbar. Manfred Weiss hat mit dem zweisätzigen „Harry Potter und seine Welt“ bewiesen, dass auch ein Orchester mir sehr jungen Musikern sehr wohl mit zeitgenössischem Material umgehen kann. Dichte Klänge, die sich oft zu großflächigen Clustern ausweiten, schaffen im ersten Satz „Lord Voldemord und Dumbledore“ eine Erwartungshaltung, die Ruhe und Spannung zugleich verkörperte. Die Posaunengruppe deutet einen Rhythmus an, der jedoch im Status nascendi verbleibt. Der zweite Satz „Auf dem Besen und beim Zaubern“ besteht aus kurzen Segmenten, die eine schwirrende und drängende Stimmung erzeugen. Weiss hat eine Musik geschrieben, die eigentlich nach einer Fortsetzung verlangt. Der Komponist fühlt sich aber nach der Flut im vorigen Jahr, die ihn selbst schwer betroffen hat, zunächst nicht dazu in der Lage. Vielleicht ermutigt ihn der eben erschienene fünfte Band, dessen deutsche Fassung für den Herbst angekündigt ist.

Chopins Klavierkonzert e-Moll op. 11 hatte vor allem wegen seines poetischen Mittelsatzes seine Berechtigung in einem Konzert, in dem es um Märchen und Träume ging. David Klein aus der Meisterklasse Peter Rösels spielte den ersten Satz weitgehend ohne äußerliches Virtuosentum. Seine agogischen Freiheiten waren gering, vielleicht mit Rücksicht auf das Orchester und dessen begreiflicherweise geringe Erfahrung. Der zweite Satz geriet erfreulich nüchtern, ohne dass Klein auf den poetischen Grundton verzichtet hätte. Frisch, aber wohl etwas zu diszipliniert wurde der finale Krakowiak musiziert, der gut und gern ein bisschen mehr Temperament vertragen hätte.

Nahezu unbekannt ist die Aladdin-Suite op. 34 des dänischen Komponisten Carl Nielsen. Diese Schauspielmusik entstand 1919. Im gleichen Jahr wurden nur drei Lieder daraus uraufgeführt, die sieben Orchesterstücke erst 1940, neun Jahre nach Nielsens Tod. Die Komposition dieser sieben Teile ist nicht gerade mitreißend, obwohl die Beschreibung des Marktplatzes von Isfahan äußerst interessant ist. Auf dem Platz spielen mehrere Orchester, jedes ein anderes Stück, und alle überlagern einander. Das lässt unwillkürlich an Charles Ives denken, der diese Technik, allerdings weit Radikaler, schon Jahrzehnte zuvor angewandt hat. Hier war den jungen Musikern anzumerken mit welchem Vergnügen sie diese Stücke spielten und dabei durch erfreuliche Präzision die Intonationsfehler bei Chopins Klavierkonzert vergessen ließen. Es bewies sich, wie Kersten einleitend bemerkt hatte, mit welcher Mühe, aber auch mit welchem Gewinn die intensive Auseinandersetzung mit einem Werk stattfinden kann.

Peter Zacher
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 24. Juni 2003)

Harry Potter und eine orientalische Stadt

Sommerkonzert des Jugendsinfonieorchesters

Märchen, Fabeln und Träume – unter diesem Thema stand das Sommerkonzert des Dresdner Jugendsinfonieorchesters am Heinrich-Schütz-Konservatorium. Milko Kersten, Leiter und Dirigent, teilt mit seinen jungen Musikern die sinnliche Erfahrung, dass ein Ensemble mehr ist als die Summe seiner Mitglieder. Er schwärmt vom Miteinander. für ihn ist die Arbeit mit dem Orchester eine spezielle Form der Jugendarbeit. Doch als Unterstützer muss er sich private Sponsoren suchen. Etwa, wenn es um den Transport eines Flügels geht.

Sinfonische Wucht

David Klein spielt auf ihm beim Sommerkonzert Chopins Klavierkonzert Nr. 1. Kersten begleitet mit dem Orchester stimmungsvoll und einfühlsam, die Schüler folgen ihm auch durch heikle Tempowechsel. Dabei scheint Meisterschüler Klein dem Orchester durchaus entgegenzukommen, diszipliniert seinen Vortrag, der höchste Klasse hat. Nach seinem überaus selbstbewussten Auftreten muss er, Absolvent der Meisterklasse von Peter Rosel die Zuhörer erst wieder auf seine Seite Ziehen. Doch mit scheinbar spielerischer Virtuosität und differenziertem Ausdruck gelingt ihm das. Um das Klavierkonzert waren programmatische Musiken gestellt. Manfred Weiss komponierte im vorigen Jahr eine zweisätzige Sinfonie über Harry Potter. Zunächst setzt er die Welt von Dumbledore, dem gütigen Schuldirektor des Zauberlehrlings, in Kontrast zu der Lord Voldemorts, der die Schwarze Magie, den bösen Zauber verkörpert. Nach dieser grundsätzlichen Weltbeschreibung beschreibt Weiss Harry auf dem Besen und beim Zaubern.

Nach einiger Aufregung, weil ein Posaunist sich vor Beginn des zweiten Konzertteiles ein Klarinettistin „angelte“ und das Instrument zum Gaudi des Publikums aufwändig aus den Haaren entflochten werden musste, erklang noch die Alladin-Suite von Carl Nielsen, ein illustrativ-farbenfrohes Bild einer orientalischen Stadt, in der die Chinesen und die Hindus tanzen. Der Trubel steigert sich zu sinfonischer Wucht und das Publikum klatscht ohne Ende.

Jens Daniel Schubert
(Sächsische Zeitung vom 25. Juni 2003)

Konzert vom 25. Januar 2003 in der Dreikönigskirche

Tango, Bass und Passacaglia

Gesprächskonzert des Jugendsinfonieorchesters

Viel zu selten bietet sich im Rahmen „klassischer“ Konzertveranstaltungen in Dresden die Möglichkeit, außereuropäische und erst recht außereuropäisch-zeitgenössische Musik zu erleben. So aufgeschlossen und interessiert sich das Publikum hinsichtlich dieser Klänge fremder Kulturkreise dann auch zeigen mag, so wird es oft durch mangelnde Hörerfahrungen und verständlicherweise fehlendes Hintergrundwissen mit den Eindrücken solcher Musik relativ „hilflos“ zurückgelassen.

Dieser Erscheinung Abhilfe zu schaffen, hatte sich das Dresdner Jugendsinfonieorchester am Heinrich-Schütz-Konservatorium e.V. unter der Leitung von Milko Kersten zur Aufgabe gemacht. „Tango, Bass und Passacaglia“ – Lateinamerikanische Musik – Konzert für die ganze Familie: Viele Titel waren es, die das Interesse am Gesprächskonzert des Orchesters weckten. Neben von Milko Kersten bearbeiteten und charakteristisch instrumentierten südamerikanischen Kompositionen von u.a. Piazzolla und Velasquez erklangen „Adagio Passacaglia“ von Rainer Promnitz sowie ein „Cancao“ für Kontrabass und Orchester.

Dem brasilianischen Solisten Andre Beck-Rodriguez gelang eine rhythmisch überzeugende Interpretation. Akustisch hatte er es hingegen recht schwer, sich in der gut besuchten Kirche gegen das stark besetzte Orchester durchzusetzen.

Hervorzuheben sind die Leistungen der Orchestersolisten (Violine und Flöte), die in Rainer Promnitz „Adagio Passacaglia“ sowohl dramatisch zupackende, als auch lyrisch verträumte und dabei keineswegs eingängige Melodielinien schlüssig und ergreifend zu gestalten vermochten. Ebenso faszinierte das solistische und klanglich hervorragend ausgewogene Klarinettenquintett in den Piazzolla-Bearbeitungen „Meditango“ und „Adios nonino“, wobei rhythmische Präzision, das südamerikanische Temperament befördernde Akzentuierungen, aber auch gedeckte düstere Melodien einen Hauch Buenos Aires durch die Dreikönigskirche wehen ließen.

Gewürzt mit einleuchtenden Klangbeispielen des Orchesters oder einzelner Stimmgruppen gab Milko Kersten thematisch breitgefächerte Werkerläuterungen. So dürfte nun mancher Zuhörer Dissonanzen oder Konsonanzen mit „anderen Ohren“ wahrnehmen, Klarheit über die italienischen Bezeichnungen, der Instrumente der Violinfamilie, die Historie des Tangos und den musikalischen Werdegang des ein oder anderen Komponisten gewonnen haben. Besonders die kleinen „Höraufgaben“ waren dem konzerterfahrenen Publikum hilfreiche Orientierungspunkte, die bei weiteren Veranstaltungen dieser Art die jüngeren Familienmitglieder noch ein wenig häufiger und kindgemäßer einbeziehen sollten.

Jana Friedrich
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 29. Januar 2003)

Konzert vom 09. November 2002 in der Dreikönigskirche

Zum Abschluss ein Vorspiel

Das Dresdner Jugendsinfonieorchester am Schütz-Konservatorium beging sein 40-jähriges Bestehen


Kommunikation ist alles zwischen Dirigent Milko Kersten, Violoncellist Jacob Hasse und dem Orchester.
Probenfoto: SZ/Lehmann

Mit einem Jubiläumskonzert feierten am Sonnabend aktive und ehemalige Musikschüler in Dresden das inzwischen vierzigjährige Bestehen ihres Orchesters. Das Dresdner Jugendsinfonieorchester ist der größte von rund einem Dutzend Klangkörpern und Ensembles am Heinrich-Schütz-Konservatorium Dresden (HSKD). Das Konservatorium fährt die Traditionen der Dresdner städtischen und ehemaligen Bezirksmusikschule weiter. Im Orchester spielen ca. 65 Musiker im Alter von 13 bis 23 Jahren, die mehrheitlich, aber nicht notwendigerweise, Schüler des HSKD sind. Es vereint damit überwiegend junge Musikschüler, die nicht in erster Linie das Ziel haben, Berufsmusiker zu werden.

Hauptanliegen des Orchesters ist die Pflege sinfonischer Orchesterliteratur ohne Leistungsdruck. Mit wöchentlichen Proben, und einer jährlich stattfindenden Intensiv-Woche erarbeitet das Dresdner Jugendsinfonieorchester innerhalb eines Schuljahres zumeist zwei bis drei Programme, die es auf Konzerten in, und um Dresden, gelegentlich aber auch auf Konzertreisen präsentiert.

Feiern mit Bruckner, Bruch und Humperdinck

Gegründet wurde der Klangkörper, und daher leitet sich das Jubiläum, im Jahr 1962 als Streichorchester am Pionierpalast unter der musikalischen Leitung von Christoph Zeeh. Es folgte die „Ära Mitzscherling“. Mit einer eigenen Reihe von Galeriekonzerten im Gobelinsaal und regelmäßigen Auftritten bei Jugendweihen und Schülerkonzerten profilierte sich, das Pionierorchester zum „Hervorragenden Volkskunstkollektiv“. 1981 übernahm Professor Harald Wenzel die künstlerische Leitung des Orchesters, der Studenten der Dirigierklasse an der Musikhochschule in den Probenprozess des Orchesters einbezog.

1992 wurde es, um Bläser und Schlagzeug erweitert, zum Jugendsinfonieorchester der Landesmusikschule auf Schloss Albrechtsberg, fünf Jahre später in die alleinige Trägerschaft des Konservatoriums übergeführt und Milko Kersten neuer musikalischer Leiter.

Begeistert berichtete Kersten vom gemeinsamen Musizieren seines Orchesters mit Ehemaligen am Vormittag des Jubiläumstages. Am Nachmittag präsentierte sich, das aktuelle Orchester in einem Festkonzert. Zunächst spielte das Nachwuchsorchester Werke von Elgar, Hindemith und einen Boogie von Gerald Roefield. Dann kam, mit etwa 80 Musikern geradezu gewaltig besetzt, das Dresdner Jugendsinfonieorchester mit Bruckner, einer eingängigen Cello-Canzone von Max Bruch und dem schaurigen „Danse macabre“ von Saint-Seans.

Kersten leitete mit verbindenden Worten von Werk zu Werk. für den Abschluss des Konzertes kündigte er Engelbert Humperdincks Vorspiel zu Hänsel und Gretel an. Kein Finalsatz, so betonte er, das sei, Programm. Und so schlug er den Bogen von vierzig zurückliegenden Jahren zu der im Ungewissen liegenden Zukunft des Orchesters.

Sichtlich bewegt fragte er, ob die Erkenntnisse nach den grausigen Ereignissen am Erfurter Gutenberggymnasium schon vergessen seien. Ensemblespiel, ein Orchester wie dieses, biete den Kindern so vielfältige Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit zu bilden, sich sozial und künstlerisch zu bewähren, dass für ihn schon das gedankliche Spiel, ihm die nötige finanzielle Unterstützung zu entziehen, im höchsten Grade fatal sei.

Und so, war, der begeisterte Applaus in der vollbesetzten Dreikönigskirche nicht nur Dank und Anerkennung für ein gelungenes Konzert und kontinuierlich hochqualifizierte Ausbildung, sondern auch ein Appell an politische Verantwortungsträger in Stadt und Land.

Jens Daniel Schubert
(Sächsische Zeitung vom 11. November 2002)

Diese Arbeit soll gefährdet sein?

Jubiläumskonzert 40 Jahre Jugendsinfonieorchester

Das Jugendsinfonieorchester am Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium ist eine Institution, wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hätte, dann war es das Festkonzert zum 40-jährigen Bestehen. Das feierliche Ereignis in der Dreikönigskirche stand zunächst im Zeichen des Nachwuchsorchesters, dem auch Milko Kersten vorsteht. Mit genauern Blick für die Möglichkeiten schrieb er Bearbeitungen, die die kleinen Musikanten in die Lage versetzen, klangschön, kompakt und wirkungsvoll zu musizieren. Mit sichtbarer Begeisterung ist man bei der Sache. Eine Kurzfassung des berühmten Elgar-Marsches aus „Pomp and Circumstance“ eröffnete den Reigen. Der „Funny Scholl Boogie“ von Gerald Roefield sollte wohl noch ein wenig „wachsen“, während Paul Hindemiths „Tanz der Holzpuppen“ fürwahr aus festerem Holz geschnitzt war.

Den Hauptteil bestritten natürlich die „Geburtstagskinder“, wenngleich natürlich ein solches Orchester ständiger Fluktation unterliegt. Und das ist ja gerade das Erstaunliche, dass es über all die Jahre hin gelang, das errungene Niveau zu halten, gar auszubauen. Und hieran haben die Vorgänger Milko Kerstens, vor allem aber er selbst, gehörigen Anteil. Als Jugendlicher schrieb Anton Bruckner Orchesterstudien, die Kersten für die imponierende Besetzung bearbeitete. Schon hier gibt es üppige Bläserchöre, aus denen gelungene Soli hervortraten (Oboe). Am Streicherklang konnte man schon seine Freude haben. Die beiden Solisten des Programms warteten mit Sicherheit, mit überzeugender tonlicher Gestaltung auf. Der breit strömenden Melodik der Canzone opus 55 für Violoncello und Orchester von Max Bruch war Jacob Hasse mit großem Erfolg auf der Spur. Gleiches galt für den Geiger Johannes Partzsch, der den Solopart im „Danse macabre“ opus 40 von Camillie Saint-Seans souverän spielte. Das Programm des farbigen und raffiniert ausgelegten Stückes wurde nachvollziehbar. Einen Blick auf knifflige Vorhaben gestattete das Vorspiel zu „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, ein schwieriges Stück, wie man oft von professionellen Orchestern hören kann. Die Umsetzung war durchaus erfreulich und fand, wie alle anderen Beiträge auch, reichlichen Beifall.

Kersten hatte mit freundlichen Worten durch das Programm geführt. Natürlich musste er die Gelegenheit nutzen und auf drohende Gefährdung der weiteren Arbeit verweisen. Mit ernsten und mahnenden Worten appellierte er an die Verantwortlichen, musische Erziehung im bisherigen Umfang weiter zu garantieren.

Hans Peter Altmann
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 11. November 2002)

Konzert vom 13. Dezember 2001 in der Lukaskirche

Gedichtaufsagen darf ausfallen – Konzert des Jugendsinfonieorchesters des HSKD

In vielen Familien ist es (das Gedichtaufsagen) ja üblich an Weihnachten, zur Bescherungszeit. Der Sohnemann erscheint im Wohnzimmer und alles wartet gespannt – auf das Gedicht. Rund 80 Dresdner Jugendliche dürfen erlöst sein, denn sie haben eine Ausrede: sie haben mindestens für eine halbe, wenn nicht für die ganze Verwandtschaft ein Orchesterkonzert gespielt. Das, was am Donnerstagabend in der Lukaskirche zu hören war, reicht für mindestens zwei bis drei Gedichte aus.

Es war ein Stück harte Arbeit im Jugendsinfonieorchester des Heinrich-Schütz-Konservatoriums. Ein halbes Jahr wurde geprobt, mit z. T. neuer Orchesterbesetzung, denn natürlich rotieren die Schüler. Dirigent Milko Kersten stellt hohe Ansprüche – es ist also für viele eine Ehre und vor allem eine große Erleichterung, wenn am Ende des Jahres ein großes Konzert steht und man sich allen Probenballast einmal wegspielen kann.

Das Programm war zunächst von jeglichen Adventsfeierlichkeiten befreit – große Orchestermusik wurde geboten, mit Beethovens 1. Sinfonie stand gleich das hakeligste Stück am Beginn, nachdem ein Bläserensemble stimmungsvoll auf der Empore das Konzert eingeleitet hatte. In der Sinfonie war erstaunliches zu bewundern – nicht nur klangen die Instrumentalgruppen sauber und homogen, die Themen waren sogar sauber ausgearbeitet und auf viele Details wurde geachtet. Das ist nicht selbstverständlich für ein Konservatoriumsorchester. Milko Kersten half mit motivierendem Dirigat und trug maßgeblich dazu bei, dass locker musiziert wurde.

Positiv darf bemerkt werden, dass auch die „großen“ Orchestermusiker gerne im Menuett über die Akzente holpern, insofern war die „Trefferquote“ in diesem Satz höchst lobenswert. Wie von selbst stellte sich das freie Musizieren auch im nächsten Stück ein – hier half natürlich der populare Kompositionsansatz von Rolf Thomas Lorenz „Kolumbus Sketches“ – eine deutsche Erstaufführung des am HSKD lehrenden Pädagogen und Komponisten, die dankbar und plastisch geschrieben sowie pfiffig umgesetzt wurde.

Am Ende des Konzertes stand die „Sinfonie über zwei russische Themen“ von Michail Glinka, leider doch ein Werk, das einen etwas zu großen Enthusiasmus im erlernten „Berliner Kontrapunkt“ ausstrahlt und sich etwas steif dahinquält. Die Musiker waren auch hier mit Engagement dabei, wann auch die Interpretation nicht ganz so hochrangig war wie in der Beethovensinfonie. Schließlich dann doch noch etwas Weihnachtliches: mit einem schmissigen „Jingle Bells“ verabschiedeten sich die Jugendlichen und begeisterten das zahlreich erschienene Publikum.

Alexander Keuk
(Dresdner Neueste Nachrichten vom 15.12.2001)

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Letzte Änderung am 10.12.2011  •  Kontakt zum Seitenanfang